Kunstfrühstück oder Frühstückskunst ?
Eine Projektbeschreibung
Wir sind eine Förderschule mit dem Schwerpunkt Geistige Entwicklung.
An unserer Schule werden 52 Kinder in 7 Klassen unterrichtet. Die Schüler besuchen die Schule zwölf Jahre lang. In jeder Klasse unterrichtet eine Förderschullehrerin mit der Unterstützung einer pädagogischen Mitarbeiterin (Erzieherin, Heilerzieherin oder Heilerziehungspflegerin).
Die Schüler werden nach Schulbesuchsjahren, unabhängig vom Grad ihrer Behinderung beschult. Das Spektrum reicht von Schülern mit leichter geistiger Behinderung bis zu Schülern mit schwersten Mehrfachbehinderungen.
Die Zusammenarbeit mit der Kinder- und Jugendkreativschule der Leine-vhs der Stadt Laatzen ermöglicht eine Öffnung der Schule für Einflüsse von außen.
Mit Naturmaterialien erarbeitet der bildende Künstler Udo Hetmeier mit den Schülern klassische Landart-Projekte.
Die Natur und die unmittelbare Umgebung der Schule werden neu entdeckt. „Landart“ ermöglicht es den Schülern ihre bekannte Umgebung neu zu sehen und durch Verfremdung Alltägliches neu zu erschließen.
Sie erleben aber auch, dass ihre Kunst sich durch Einflüsse von außen verändert. Wind, Regen, andere Schüler verändern die Kunstwerke, so dass sie wieder ein Teil der Natur werden.
Die Dokumentation durch Fotos ist das einzige was übrig bleibt. Sie erinnert an den Spaß während des gestalterischen Prozesses und die Freude über das gelungene Werk.
Bisher hatten die Kunstwerke folgende Titel:
„1000 Stöcke“
Auf dem Schulgelände wurden ungefähr zehn bis zwanzig Zentimeter große fingerdicke Stöcke gesammelt, die mit verschiedenen Guachefarben (rot,gelb,grün) angemalt wurden. Die getrockneten Stöcke wurden um Bäume, die das Baumhaus stützen, in einem Rechteck auf den Boden gelegt. So sollte auf die Bäume, die Schatten spenden, die das Baumhaus stützen, und uns durch ihre Blätter Luft zum Atmen geben aufmerksam gemacht werden.
„Farbbahnen“
Mit großen Krepppapierbahnen wurden Elemente (Schaukel, Zaun, Sprunggrube) auf dem Schulhof eingepackt. Durch die Farbgebung dieser im Alltag nicht bewusst wahrgenommen Gegenstände wurde sie neu gesehen und auf sie aufmerksam gemacht.
„1000 Löcher“
Auf unserem Schulhof, wo die Busse der Schülerbeförderung ankommen sind viele Schlaglöcher.
Diese Schlaglöcher wurden mit Straßenmalkreide farbig umfahren, miteinander verbunden und anschließend mit selbsthergestellten Farbpigmenten (geraspelte Straßenkreide) farbig ausgestaltet.
Die Löcher sollten die Fettnäpfchen des Lebens symbolisieren oder die Stolpersteine mit denen jeder zu tun hat.
In diesem Landart-Projekt können die Schüler ihre schöpferischen Möglichkeiten erproben und erweitern. Sie machen Erfahrungen mit unterschiedlichen Techniken und Materialien.
Der Kunstbegriff wird für sie erfahrbar, denn sie werden als Kunstschaffende angeleitet und erleben sich als künstlerisch handelnde Personen.
Das Vorstellen der eigenen Kunstwerke am Ende eines Projekttages und die damit einhergehende nochmalige Reflexion schaffen für die Schüler ein hohes Maß an Identifikation mit den entstandenen Objekten. Gleichzeitig entwickeln sie einen sebstbewußteren Umgang mit neuen Vorhaben und die zunehmende Bereitschaft mit normalen Dingen (z.B. Stöcke) Kunstwerke zu gestalten.
In diesem Projekt arbeiten zwei Abschlussstufenklassen zusammen. Die 16 Schüler und Schülerinnen zwischen 16 und 18 Jahren wurden entsprechend ihren Fähigkeiten in zwei Gruppen aufgeteilt. Jeweils eine Gruppe arbeitet über vier Wochen einmal wöchentlich 3 Stunden mit Herrn Hetmeier zusammen. Die andere Gruppe bereitet für alle Teilnehmer ein Frühstück vor. Nach vier Wochen wird gewechselt.
Die Gruppe „Frühstück“ bereitet für eine größere überschaubare Gemeinschaft (21 Personen) etwas zu (z.B. Früchtequark, Käsespieße). Dafür müssen nicht nur die Zutaten eingekauft, der Snack zubereitet und der Tisch gedeckt, sondern auch abgeräumt und abgewaschen werden. Die Gruppe erlebt, wie gut ihre eigenen Mitschüler ihre Arbeit annehmen, sie erleben ihre Wichtigkeit und Verantwortlichkeit innerhalb eines bestimmten Rahmens.
Beide Gruppen profitieren in hohem Maße von diesem Projekt. Alle erleben sich als handelnde, problemlösende Personen, die jeweils in ihrem Bereich einen wertvollen Beitrag für die Gemeinschaft leisten.
Vor allem die aktive Teilhabe am künstlerischen Leben und die daraus resultierende Anerkennung und Wertschätzung durch zum Beispiel vorbeigehende Passanten, Schüler der benachbarten Grundschule und die eigenen Mitschüler sind nicht hoch genug zu bewerten.
Leider ist die Finanzierung dieses Projektes nur bis zu den Herbstferien durch die Unterstützung unseres Fördervereins gesichert.
Beteiligte Lehrkräfte:
Cordula Meinhardt-Müller, Marianne Lass, Roswitha Wolf, Andrea Gehle







